Bericht


Zwei mal 19’650 PS Wasserkraft

Was hat ein Besuch im Kraftwerk Schaffhausen mit Tauchen und dem Tauch-Club Delphin Schaffhausen zu tun ?
Einerseits sind wir alle froh, dass ohne Probleme immer Strom aus der Dose kommt um unsern Luftkompressor zu betreiben, die Tauchlampen aufzuladen, dass das Clublokal beleuchtet und geheizt werden kann und auch die Küche funktioniert. Wo blieben unsere Bilder, wenn der PC und der Beamer nicht mehr laufen ? Genügend Strom zu haben ist für uns schon selbstverständlich geworden.
Anderseits liegt unser Clublokal in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kraftwerk und wir pflegen gute Beziehungen miteinander. Sicher ist jedem Taucher schon aufgefallen, dass überall im Bereich von Kraftwerken und Stauanlagen das Tauchen und Baden bei Androhung von Bussen untersagt ist. Das ist nicht nur so eine Schikane, diese Massnahme hat sicherheitsrelevante Hintergründe. Solche Anlagen bändigen riesige Wasserkräfte, welche beispielsweise bei Zwischenfällen freigegeben werden müssen und Wassersportler und Fischer in Gefahr bringen können. Bei diesem Rheinkraftwerk müssten bei einem Notschluss einer Turbine innert Sekunden 270 m2/sek Wasser freigegeben werden. Wehe dem, der da unterhalb des Kraftwerkes von diesem "technischen Tsunami" erfasst würde. Er fände sich wohl, wenn überhaupt, leicht ausgefranst irgendwo im Rheinfallbecken wieder !!! Der plötzliche Rückstau flussaufwärts kann übrigens den Pegel auch über einen Meter ansteigen lassen.
Vielleicht eine Idee für Tauchleiter und Clubverantwortliche sich auch einmal mit Wasserkraftanlagen in ihrer Umgebung oder bei beliebten Tauchplätzen auseinander zu setzen. Jedenfalls haben wir Delphine die Möglichkeit am 8. November beim Schopfe gepackt und den Anlass einer grossen Turbinen-Revision genutzt um 'unser' Kraftwerk unter die Lupe zu nehmen.
Unter der Leitung von Herrn Direktor H. Bolli und Herrn Von Felten wurden wir in das Bussiness der Stromerzeugung eingeführt und erhielten Einblicke, welche sonst verborgen bleiben. Bei unserem Eintreffen wurde gerade die riesige Welle aus dem Turbinenschacht gehoben. Die Kaplanturbine war abgestützt, der Rotor vorher in den Montageschacht eingelagert. Die ganze Maschinenanlage besteht aus 2 vertikalachsigen Kaplanturbinen mit je 19 650 PS und Drehstromgeneratoren mit 18 000 kVA. Eine Maximalleistung von 26 000 kW sorgt also dafür, dass im Clublokal und der Region das Licht nicht ausgeht. Über der noch laufenden Turbine stehend konnte man die 20 000 Pferde unter den Schuhen trampeln spüren. Dann gings ab in den Untergrund. Mit Dammbalken hatte man den Einlaufrechen und die riesige Kammer vor der Einlaufspirale vom Wasser abgeschottet. Wir standen also einer gebändigten Wasserwand mit einem Gefälle von 5-8 Metern gegenüber und fühlten uns recht winzig dort drin. Deutlich konnten wir die Klappen am Leitapparat sehen, die den Zufluss zu den Laufradschaufeln dosieren. Dahinter wurde soeben die Maschine demontiert und gab Einblicke frei, die dann für weitere 40 Jahre nicht mehr möglich sind. Die Generalüberholung beider Maschinen wird etwa 17 Mio. Franken kosten.
Mit dabei war auch unser Gründungsmitglied, Kurt Hedinger. Er hatte beim Bau der Anlage 1960/67 hier als Taucher gearbeitet und konnte manche Anekdote davon erzählen. Wir waren sehr beeindruckt und uns einig: Also, wenn Du bei Deinem Tauchgang diese Ansicht vom Einlaufkanal wiedererkennst, kommst Du einen Wimpernschlag später daheim in der Stube zur Steckdose raus !